Pferde richtig anweiden – so geht´s

Der Winter neigt sich dem Ende zu, die Tage werden länger und sonniger. Auf den Pferdeweiden beginnt langsam, aber sicher alles zu sprießen. Spätestens jetzt ist es für Pferdebesitzer wichtig, sich Gedanken über das richtige Weiden zu machen.

Ohne eine gute Vorbereitung und einen durchdachten Plan kann die Weidesaison schnell zu einem Gesundheitsrisiko für Pferde werden. Darmkoliken und Hufrehe sind ernste und glücklicherweise seltene Probleme, die durch eine falsche Weideführung auftreten können. Aber auch Durchfall und Kotwasser können den Pferden zu schaffen machen. Um sicherzustellen, dass dein Pferd gesund in die Weidesaison startet, bietet dieser Artikel wertvolle Ratschläge.

Pferde anweiden – warum ist es so wichtig behutsam vorzugehen?

Das richtige Anweiden von Pferden ist von großer Bedeutung, da die Umstellung auf Gras auch eine große Veränderung für die Darmflora des Pferdes bedeutet. Obwohl gesunde Pferde normalerweise keine Probleme mit der Besiedlung des Darms durch Weidebakterien haben, birgt jede Futterumstellung ein gewisses Risiko.

Im Gegensatz zu Stallpferden werden Wildpferde auf natürliche Weise von der Natur angeleitet und haben eine ganzjährig unterschiedliche Darmflora aufgrund des geringeren Raufutters. Im Frühjahr wächst das Weidegras langsam und die Pferde sind kontinuierlich in Bewegung, ohne sofort mit einer übermäßigen Menge an Gras konfrontiert zu werden. Auf diese Weise können sie sich langsam an üppiges Weideland gewöhnen.

In unserem Fall müssen wir diese Aufgabe übernehmen und darauf achten, wichtige Aspekte wie Weidezeit, ausreichende Bewegung und auch Pausen beim Anweiden zu berücksichtigen.

Die Gefahren und wie man Pferde richtig anweiden kann

Aufgrund der oben beschriebenen Risiken ist es wichtig, die An-Weidezeit mit Bedacht zu planen und durchzuführen.

Pferde anweiden – diese 5 Grundbedingungen solltest du bedenken:

Frage dich...
Bedenke...

Wie ist der gesundheitliche Allgemeinzustand?

Der generelle Gesundheitszustand hat eine große Bedeutung. Pferde, die unter zugrundeliegenden Gesundheitsproblemen leiden (wie Stoffwechselerkrankungen wie Cushing, Unverträglichkeiten, Ekzeme, etc.) sollten nur eingeschränkt oder überhaupt keine Möglichkeit haben, eiweißhaltiges Gras mit einem hohen Fruktangehalt zu fressen. Andernfalls könnte sich die Krankheit durch den hohen Zuckergehalt drastisch verschlechtern.

Wie ist die Hufbeschaffenheit meines Pferdes?

Wenn Krankheiten wie Hufrehe bekannt sind, ist es wichtig, das Anweiden mit besonderer Vorsicht zu betreiben. Das im Gras enthaltene Fruktan (eine Form von Kohlenhydrat) wird bei hohen Mengen zu Zucker verstoffwechselt und kann Hufrehe verursachen. Wenn nötig, sollten Pferde, die gut genährt sind oder bereits Hufrehe haben, nur für kurze Zeit auf die Weide. Es empfiehlt sich hierfür eine Fressbremse zu nutzen. Diese sollte jedoch nicht länger als maximal 6 Stunden für den Koppelgang genutzt werden.
Ponys sind übrigens besonders anfällig für diese Krankheit.

Habe ich ein älteres Pferd?

Das Mikrobiom eines Pferdedarms ist ein komplexes System. Mit zunehmendem Alter leiden manche Vierbeiner unter einer verminderten Darmfunktion. Hier muss ggf. mit einem passenden Nahrungsergänzungsfutter zugefüttert und besonders langsam vorgegangen werden.

Hatte mein Pferd bereits häufiger Koliken und ist anfällig dafür?

Manche Pferde sind anfällig für Gaskoliken. Frisches Gras ist in diesem Fall ein äußerst ungünstiger Auslöser. Jedoch ist eine Kolik immer nur ein Symptom. Der Ursache für die Anfälligkeit sollte in jedem Fall auf den Grund gegangen werden. Möglichkeiten wären zum Beispiel Fütterungsfehler, zu wenig Bewegung und Flüssigkeitsmangel.

Bekommt mein Pferd Zusatzfutter, das die Anweidung unterstützt?

Bei einer gut durchdachten Anweidung ist Zusatzfutter grundsätzlich nicht notwendig. Wer den Stoffwechsel seines Pferdes allerdings während der Weidezeit unterstützen möchte, kann zum Beispiel auf CFKE von der Marke EM oder Pegasus, der gleichnamigen Firma, zurückgreifen.

Plan zum richtigen “Pferde anweiden”

In der Regel startet die Weidezeit gegen Ende April. Es ist jedoch ratsam, sich an einer Grashöhe von 20 Zentimetern zu orientieren. Am Anfang der Weidesaison ist der Fruktangehalt im Gras besonders hoch, da das Gras aufgrund der niedrigen Temperaturen noch nicht ausreichend wachsen konnte und das Fruktan als Energiequelle im Grashalm zwischengelagert wird.  

Um die Futterumstellung so schonend wie möglich zu gestalten, kannst du dich an unseren vorgefertigten Plan „Pferde richtig anweiden“ halten:

Woche 1
Woche 2
Woche 3
  •   Die ersten zwei Tage, 10 Minuten an der Hand grasen lassen.
  •   Ab Tag 3 kann dein Pferd auf die Koppel und sollte für zwei weitere Tage möglichst nicht länger als 20 Minuten Zugang zum frischen Gras haben.
  •   An Tag 5 und 6 darf die Weidezeit auf 40 Minuten erhöht werden.
  • An Tag 7 darf dein Pferd bereits eine Stunde auf die Koppel.
  •   In der zweiten Anweidewoche kann dein Pferd ca. 2 Stunden auf die Koppel.
  •   Diese zwei Stunden sollten aufgeteilt und mit einer mehrstündigen Pause durchgeführt werden.
  • Jeden zweiten Tag darf die Weidezeit um ca. 20 Minuten verlängert werden
  • In der dritten Woche der Anweidezeit darf die Fresszeit täglich um ca. 30 Minuten erhöht werden.
  •   Am Ende der dritten Woche kann dein Pferd ganztägig auf die Weide.
  • Solltest du während des Anweidens feststellen, dass es deinem Pferd nicht gut bekommt, scheue dich nicht, eine Pause einzulegen!
Hinweis:

Der Anweideplan gilt ausschließlich für gesunde Pferde. Wenn dein Pferd bereits eine ungünstige gesundheitliche Vorgeschichte hat, solltest du die Anweidung zuvor unbedingt mit deinem Tierarzt besprechen.

Pferde richtig anweiden – die ideale Fütterung und Bewegung während der Anweidephase

Eine gesunde und ausgeglichene Ernährung ist grundsätzlich für Pferde von großer Bedeutung und bildet die Grundlage für den Weidegang. Laut der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) sollten Pferde täglich mindestens 1,5-2 kg pro 100 kg Körpergewicht an rohfaserreichem Futter, wie Heu und Stroh, erhalten. Zusätzlich sollte der Speiseplan des Pferdes je nach Bedarf durch Mineralfutter, Kräuter und geeignete Öle ergänzt werden, um die Darmflora zu stabilisieren und die Darmtätigkeit zu verbessern.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Bewegung während des Anweidens. Ruhiges bis moderates Training, Ausritte oder lange Spaziergänge an der Hand sind ideal. Die Bewegung hat auch einen positiven Einfluss auf die Darmtätigkeit und fördert die gesunde Verarbeitung des neuerworbenen Leckerbissens. 

Fazit

Eine angemessene Anweidezeit im Frühjahr kann nicht nur schwerwiegende Komplikationen wie Koliken oder Hufreh verhindern, sie kann deinem Pferd auch unangenehmen Durchfall und Kotwasser ersparen. Damit die Anweidung funktioniert, sollten grundsätzliche Fragen zum Gesundheitszustand, Alter und Vorgeschichte geklärt sein. Der Beginn der Anweidung findet meist Ende April und vorerst am besten an der Hand statt. Anschließend kann zum Koppelgang übergegangen werden. Achte darauf, dass du die Weidezeit nur langsam steigerst. Hierfür kannst du dich an unseren durchdachten Anweideplan halten. Um dein Pferd zusätzlich zu unterstützen, sollte ausreichend Bewegung und ggf. qualitativ hochwertiges Raufutter keinesfalls fehlen.  Wir wünschen dir und deinem Vierbeiner gutes Gelingen und eine tolle Weidesaison!

Das könnte dich auch interessieren